Babyschwimmen (ein Papa erzählt)
Wasser an sich ist für Babys und Kleinkinder ein tolles Element. Man kann
plantschen, es sich über den Kopf gießen, andere Leute naß spritzen und
vieles mehr. Ein großer Unterschied ist es jedoch, wenn man um sich herum
nichts als Wasser hat und der feste Boden unter den Füßen fehlt. Selbst für
einige Erwachsene soll das ja angeblich ein schwieriges Umfeld sein. Von
daher ist es wichtig, dass man seine Kleinen frühzeitig ans Schwimmen
heranführt, denn dabei geht es beim Baby- und Kleinkindschwimmen. Und wie
immer in dieser frühkindlichen Phase heißt die Devise: Geduld. Nicht an
anderen Sprößlingen orientieren, sondern dem eigenen Nachwuchs genug Zeit
geben, um sich ohne Angst dieser wichtigen Erfahrung zu stellen. Im
Folgenden möchte ich meine Erlebnisse als Vater beim Babyschwimmen
schildern.
Nachdem ich mich durch gelegentliches “Aushelfen” in der Krabbelgruppe an
die Rolle des “Hahn im Korb” gewöhnt hatte, sollte die Teilnahme am
Kleinkindschwimmen ja kein Problem sein. Meine Frau war mit unserem Sohn
beim “Kick-off” und bereitete mich (scheinbar) ausgiebig darauf vor, was
mich zu erwarten hatte. “Umziehen in der Umkleide, Windel vorher wechseln,
Badehose an usw, usw.” Kann ja alles nicht so schwer sein”, dachte ich mir
und hörte natürlich wieder nur halb hin.
Nach der Ankunft ging es logischerweise dann schon los. Da wir uns für eine
private Schwimmschule entschieden hatten, gab es erwartungsgemäß keine
geräumigen Umkleiden oder ähnliches, geschweige denn, dass man auf Väter mit
entsprechender körperlicher Größe vorbereitet wäre (1,97 Meter). Niedrige
Decke, enge Umkleide, da wird das Umziehen eines 13 Monate alten, gerade aus
dem Schlaf gerissenen Kleinkindes zu einer echten Herausforderung.
Gleichzeitig muss man sich natürlich auch noch selbst umziehen und will die
Mütter nicht durch nackte Tatsachen erschrecken, was durch die doch recht
knappen Vorhänge nicht ganz einfach zu bewältigen war.
Danach geht es gemeinsam unter die Dusche, was unser Sohn erstaunlich
friedlich über sich ergehen ließ. Und dann endlich ins kühle Naß (was man
von der Luft nicht behaupten konnte, die gefühlte 50 Grad heiß war bei
maximal 10% Luftfeuchtigkeit)! Erst mal vorsichtig vortasten und schön
darauf achten, dass der Kleine nicht unter Wasser geht. Null problemo,
abgelenkt von 1 Million kleiner Bälle im Wasser hatte der Junior auch direkt
viel Spaß. Selbiger verging dann dem Papa als die Schwimmstunde begann. Im
Kreis durchs Wasser laufen und…… Kinderlieder singen! Da hatte meine
geliebte Ehefrau doch glatt ein winziges Detail ausgelassen. Man muss dazu
wissen, dass ich nichts mehr hasse als singen! Obwohl ich eine erfolgreiche
Karriere als Mitglied des Schulchors hinter mir habe (das ist 25 Jahre her)
kann ich sowas von überhaupt nicht singen und drücke mich hiervor so gut es
eben geht. Doch hier hatte ich in einer Gruppe von 5 Müttern zzgl. der
Kursleiterin natürlich keine Chance. Glücklicherweise war dieser
fürchterliche Alptraum nach gut 5 Minuten beendet und dann ging es ans
“Schwimmen”, wenn man die planschenden und zappelnden Bewegungen der Kleinen
denn so bezeichnen will.
Auf Papas Arm durch den imaginären Tunnel aus Schwimmnudeln und dabei die
kleinen Bälle aufsammeln war eine tolle Sache und auch das Begießen mit
Wasser aus der Gießkanne wurde geduldig hingenommen. Etwas kritischer wurde
es dann als unser Junior mit der “Ganzkörper”-Schwimmflosse “ummantelt”
wurde. So ganz ohne die starken Arme vom Papa auf diesem beweglichen
Untergrund war dem Kleinen nicht ganz geheuer. Nach einer kurzen Anlaufphase
war aber auch diese Aufgabe gemeistert und das Treiben lassen im
Wasserstrudel machte ihm offenkundig großen Spaß. Danach wurde dann mit
Hilfe der Kursleiterin erstmals getaucht. Erstaunlicherweise ging das Ganze
ohne Schreien von statten und es besteht also durchaus noch Hoffnung, dass
unser Sohn vielleicht doch einmal der neue Michael Phelps wird. Kurz vor dem
abschließenden Singen – was mich dann auch nicht mehr schocken konnte -
durften die Kiddies dann noch in kleinen Schlauchbooten auf dem Wasser
“reiten”. Es läßt sich nur schwer leugnen, dass unser Junior hierbei den
meisten Spaß hatte, vor allem wenn er vom Papa mit Bällen “gefüttert” wurde.
Die ausführliche Beschreibung der “After-Swim-Party” sprich der
Anzieh-Prozedur nach der Schwimm-Stunde erspare ich mir, denn dies würde
diesen Blog sprengen.
Bei der zweiten Stunde klappte dann vieles schon viel routinierter, so dass
ich das nächste Mal wohl etwas zu übermütig bzw. unvorsichtig anging. Das
Schwimmbecken ist mittels einer ziemlich steilen Treppe zugänglich, wenn man
nicht ins Wasser springen will, was sich mit dem Kleinen auf dem Arm nicht
unbedingt empfiehlt. Dummerweise entschloss ich mich, einfach die Treppe
hinunterzugehen und mich nicht an der angebotenen Stange festzuhalten. Dies
führte dazu, dass ich auf der 2. Stufe ausrutschte, unsanft auf dem Rücken
aufschlug und so mit einem krachenden Platscher im Wasser landete.
Instinktiv hatte ich meinen Sohnemann jedoch fest auf dem Arm gehalten und
außer einem verdutzten Blick gab es seinerseits keinerlei Reaktion. Nun wirst Du sagen,
ja warum erzählt er das dann? Tja, leider fand ein anderes Kind die Aktion
nicht so witzig und entleerte im Wasser seinen Darm, was laut Auskunft der
Kursleiterin maximal dreimal im ganzen Jahr vorkommt. Man muss nämlich
wissen, dass Kinder im Wasser sozusagen die Pobacken zusammenkneifen. Warum
weiß ich auch nicht, aber ist halt nun einmal so. Hier war es nicht so und
aus hygienischen Gründen musste der Kurs ausfallen. Das komplette Becken
musste entleert und gesäubert werden. Ein erfolgreicher Nachmittag für alle
Teilnehmer.
In der vierten Stunde war ich dann natürlich beim Betreten des Wassers etwas
vorsichtiger und war wohl durch das schadlose Betreten des Schwimmbeckens
leicht euphorisiert. Das übliche Singen und im Kreis laufen mit den Kleinen
auf dem Arm machte ich so enthusiastisch mit, dass ich beim Drehen um die
eigene Achse (gehört zu einem der Lieder dazu) meinen Junior kurzerhand
untertauchte. Das fanden alle Mamis sehr lustig, nur leider unser Sohn
nicht, der den Rest der Stunde keinen Millimeter mehr von mir weichen
wollte. Lediglich als zum Schlauchbootfahren ging, durfte ich mich mehr als
eine Armlänge von ihm entfernen. Und sogar Wasserschlucken war kein Problem,
wenn das ganze nach einer lustigen Rutschpartie passierte. Dazu muss man
allerdings wissen, dass der Kleine derzeit für sein Leben gerne rutscht.
Wie man(n) also sieht, macht das Babyschwimmen auch für Väter sehr viel
Spaß. Das schönste an derartigen Veranstaltungen ist, dass man als Mann
höchste Anerkennung genießt und man die Gedanken der Mütter in den Augen
lesen kann: “Ach, wäre mein Mann doch auch so.”

